_ kirchensteuer

Ich glaube nicht. Ich bete nicht. Ich beichte nicht. Ich gehe nicht in die Sonntagsmesse. Trotzdem zahle ich von Gesetzes wegen als Zuger eine Kirchensteuer in der Höhe von 6% der einfachen Kantonssteuer – was bei den meisten von uns Zugern mehrere Hundert Franken jährlich ausmacht. Festgesetzt wird der Satz von der Kirchgemeindeversammlung, veranlagt und eingezogen wird mein Geld vom Zuger Steueramt. Dieses Geld wird auf direktem Wege, gewissermassen “inkognito” direkt abgezogen. Ich denke es wäre Zeit für eine Kirchensteuerreform.  Als Ungläubiger möchte ich mehr Mitspracherecht bei der Ausgestaltung der Mitfinanzierung von Gläubigen. Es gibt schweizweit genügend Beispiele wie sich die Kultur der Kirchensteuer in unserer Modernen Zeit gewandelt hat. Wieso labt sich der aufgeschlossene Kanton Zug am religiös-konservativen Dogma? Diese Ausrichtung überrascht.  Was man ändern könnte? Zum Beispiel wird in den Kantonen Neuenburg und Genf die Kirchensteuer mit der Steuererklärung zusammen verschickt, sie kann jedoch separat per Rechnung einbezahlt werden, und ist somit vom Wohlwollen des Bürgers abhängig. Im Tessin und im Wallis erheben die meisten Gemeinden ferner überhaupt keine automatische Kirchensteuer. Der Kanton Waadt erhebt ebenfalls keine Kirchensteuer, integriert die Kultusausgaben aber fest im Jahresbudget. Wo bleibt unsere sonst so gelobte progressive Steuerpolitik? Ich fordere einen grundlegenden Diskurs über a.) die Notwendigkeit einer Kirchensteuer, b.) die Methodik der Veranlagung, c.) die Entwicklung und Implementierung von Alternativmodellen. Ich bin nicht mehr bereit, fast anonym die Kirche weiter mitzufinanzieren und ziehe einen baldigen Austritt aus dieser realitätsfremden Organisation in Erwegung.

Als Atheist sperre ich mich gegen die Bande zwischen Staat und Kirche. Die vollständige Trennung der Beiden wäre begrüssenswert und der Zeitpunkt einer sachlichen Debatte diesbezüglich wieder einmal günstig. Die Kultur der unantastbaren Kirchensteuer sollte nämlich ein Relikt aus einer Zeit sein,  als Geistliche mit ihren durchaus weltlichen Machtansprüchen den einfachen Tölpel an sich banden. In einer weiteren Übergangsphase traten weitere Steuereintreiber in Gestalt von Rittern, Königen, Päpsten, Kaisern und manchem weltlichen Würdenträger unserer Erstrepubliken auf die Bühne, um sich nebst dem Klerus eine Scheibe am Steuer- und Bussekuchen abzuschneiden.   Heute, da wir in einer freien Zivilgesellschaft mit ausgeprägten Sekulärismus leben, ist die Kultur der anonymen Kirchensteuer als Relikt einer vor-zivilgesellschaftlichen Ordnung zu hinterfragen. Eigentlich wäre der Tisch für eine Reform gedeckt. Unsere Bundesverfassung kennt die Garantie der Glaubensfreiheit. Ungläubige sollten nicht diskriminiert werden, sollte es dazukommen, dass etwa Verheiratete in einer “Gemischtehe” (eine Gläubige Person mit einem Ungläubigen)  ihr Kind taufen möchten oder eine Danksagungsmesse für verstorbene Elternteile in der Kirche organisieren möchten. Paradoxerweise liegt  die Handhabung aller Fragen bezüglich Kirchenhoheit beim jeweiligen Kanton.  Der Kanton Zug besitzt alle nötigen Kompetenzen die es braucht, um den Umgang mit der Kirchensteuer zuüberdenken. Die Zuger Kirchensteuer gehört entweder ganz abgeschafft oder sie soll in der Steuererklärung in Abzug gebracht werden können.

Der Institution Kirche stehen schwierige Zeiten bevor.  Unsere Kirche ist in der Krise. Kirchengänger sterben aus und Kirchenbauten werden zur Umnutzung freigegeben. Als Letztes bröckelt nun vor unseren Augen ihre lange als unantastbar geltende Moralbastion.  Predigten von gewissen Personen, welche dabei heucheln und sich anderen Gesetzen verpflichtet fühlen sind keinen Pfifferling wert. Eine Institution die es duldet, dass Ihresgleichen ausgenutzt wird, hat sich an uns allen vergangen und hat unser aller Vertrauen missbraucht.  Diese Linie wird nun hoffentlich abgestraft. Mich werden weder Kirchenvertreter noch Parteikollegen eines Besseren belehren können. Was bezweckt Gott mit dieser Prüfung?

An die Taufe erinnere ich mich nicht. An der Erstkommunion lernte ich was es heisst Statist zu sein und für die Erwachsenwelt meinen Kopf hinzuhalten. Im Kuttenkostüm mit Kranz und Kerze, stundenlang im Kreise stehend, fiel ich vor versammelter Kongregation dehydriert zu Boden. Im mitteleuropäischen Bussenalter hätte ich mit meinen angangschmauchten Haaren als eine ganz bestimmte Reinkarnation gegolten. Das Vaterunser, Kumbaja und nicht enden wollende Religionsstunden versüssten mir meine Jahre als Teenager, bevor ich als jüngster Sohn, zurück am Ort der Weihwassererhitzung, vom Leben meines Vater berichten musste, damit Verwandte und Freunde ihre seelische Ruhe fanden. Mein Ding sind die Konzepte unserer Kirche nicht.

Ich glaube nicht, ich mache lieber. Ich habe meine eigene Glaubenslehre die ich zu leben versuche und die mir Kraft und Rückhalt gibt. Diese nimmt jedoch nicht die Grundhaltung ein, dass man die Menschheit vor sich selber mit Gebeten  rettet oder sich diese freikaufen kann, sondern indem man den Mündigen die Vorteile eines ehrlichen Zusammenlebens lehrt, die in etwa aus den folgenden Komponenten bestehen:   Gerechtigkeit, Demokratie, Wissenschaft, Freiheit und Kreativiät.

Wieso soll es keine katholischen Priesterinnen geben? Wieso spricht sich der Papst vor den Ärmsten der Armen in Afrika gegen die Benützung Verhütungsmitteln aus? Wieso brauche ich als Kind den Segen der Kirche? Wieso soll eine vergewaltigte Frau nicht abtreiben dürfen? Wieso sollen schlimmste Krankheiten nicht durch Forschung an menschlichen Stammzellen ausgemerzt werden? Wieso wird die Kirchensteuer automatisch abgezogen? Wo bleibt die Modernisierung der Mittelalterlischen Kirche? Wo bleibt die schonungslose Aufdeckung und Aufarbeitung der wegen des Zölibats verursachten sexuellen Übergriffe innerhalb der Kirche? Wieso treten die Oberhäupter nicht gezielt Genoziden entgegen dann und dort wo sie gschehen? Wieso fanden unter dem Vorwand von Hygiene Verstümmelung des Körpers statt?

Politisch sollten Signale kommen. Aus der offziellen Kirche muss man schon selber austreten und mit den Konsequenzen leben.

Wussten Sie, dass:
- die Entscheidungsinstanz für die Höhe des anzuwendenden Steuerfusses im Kanton Zug die Kirchengemeindeversammlung ist.
- die Veranlagung und der Bezug der Steuer von natürlichen und juristischen Personen im Kanton Zug von der Kantonalen Steuerverwaltung erledigt wird?
- die Kantone Genf, Baselstadt und Schaffhausen keine Juristische Personen (Firmen) besteuern?

- Natürliche Personen im Kanton Zug aufgrund ihres Einkommens und ihren Vermögenswerten veranlagt werden?
- im Kanton Zug die Steuersätze für juristische Personen abhängig sind vom Verhältnis Katholiken/Protestanten in der betreffenden Kirchengemeinde?
- bei konfessionell gemischten Paaren, bei welchen 1 Person katholisch ist und die Andere nicht, der Satz um 50% gekürzt wird?
- es laut Bundesverfassung rechtens ist, sich zu weigern die Kirchensteuer zu bezahlen?
- die katholische Kirche mit ihren 1,147 Milliarden Mitglieder (1/5 der Weltbevölkerung) die grösste religiöse Organisation auf dem Planeten ist?

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