Gemeinsam Gegen Gewalt
Sie haben im spätsommerlichen Zug noch keine Grüppchen in auffälligen roten T-Shirts mit dem Aufdruck „nice to meet“ umherlaufen und diskutieren gesehen, und sich gewundert was das soll? Organisiert von der Stadt Zug, sind diese Grüppchen für das Gemeinwohl unserer Gesellschaft unterwegs! Und so funktionierts: Zur Respektpatroullie zählen etwa 60 freiwillige Privatpersonen aus allen Berufen, Altersklassen und verschiedener Herkunft. Aufgeteilt im Schichtbetrieb an verschiedenen Freitagen und Samstagen ist man von 19-24:00 Uhr in 2er und 3er Gruppen als Vorbilder für so manche Gruppe Jugendlicher an Bahnhöfen, der Uferpromenade und verschiedenen Parks unterwegs um Präsenz zu zeigen. Geschult und unterstüzt sind die Gruppen von Sozialpädagogen und Polizisten in Zivilkleidung. Man versucht mit der Zivil-Patroullie primär eine privat-präventiv wirkende Dimension zur bereits bestehenden heutigen respressiven, polizeilichen Präsenz auf öffentlichem Grund hinzuzufügen. Das Projekt wird von der Stadt Zug als angemessen, verhaltnismässig und von mir und den anderen Teilnehmern im Nachhinein als nützlich taxiert, insbesondere vor dem Hintergrund einer registrierten Qualitätszunahme an Gewaltdelikten auf Zugerischem Boden. Auch der kleinste Stadtkanton der Schweiz muss sich der Gewaltproblematik stellen. Projekte wie das der Respektpatroullie spricht grosse Teile der Bevölkerung an.
Bekenntnis zur Zivilcourage
Es fängt in der Regel schon auf der indivduellen Ebene an und zieht sich auch durch die Gruppe der Patroullie durch – das Gefühl, dass Zivilcourage auch heissen kann, kein Vakuum, in dem sich Intoleranz zu bilden beginnt, zuzulassen. Jeder von uns sollte sich privat dazu bekennen und couragiert um die Qualitäten der Stadt Zug und des ganzen Kantons kämpfen. Uns Zugern der Respektpatroullie ist es nämlich nicht egal, wenn wir auf respektlose, verwahrloste und gewaltätige junge Menschen stossen. Alle beteiligten Fachstellen sind schon heute bereit, diesen Erwachsenen von morgen zu helfen, um Sie von ihrem Pfad abzukommen. Eine Problemgruppe bilden hierbei ganz klar junge, schlecht ausgebildete Männer, die aus Familien stammen, welche in ihren Heimatländern Krieg erfuhren. Viele kommen aus der Region der Balkan Staaten zu uns, und nicht allen gelingt die erfolgreiche Assimilierung in Frieden und Freiheit. Unsere Gefängnisse im Kanton Zug sind überproportional mit jener Demographiegruppe gefüllt. Hier müssen die von der Bevölkerung und von Teilen der Politik in Fahrt gebrachte Zahnräder ineinander greifen, um eine Verbesserung des Status-Quos herbeizuführen.
Wer wie ich, so viele Male wie nur möglich, an der Patroullie teilgenommen hat, durfte in diesem Zusammenhang aber auch erfreut festtellen, dass überproportional viele Teilnehmer der Patroullie gerade aus dem Kulturkreis der angesprochenen Demographiegruppe stammen. Man versucht also Seite an Seite für eine bessere Zukunft einzustehen. Und so sollte dies nun auch die hiesige Politik tun. Entwicklungen wie die des Zusammenstehens gilt es zu stärken. Die Patroullie darf insgesamt mit gutem Recht als Bekenntniss aller Zuger zu mehr Sicherheit und gegen Gewalt interpretiert werden. Im Lichte der politischen Passivität der letzten Jahre jedoch, die sich auch in den genannten Gewalt-Statistiken wiederspiegelt, ist es alles andere als sicher, dass nebene unserem Art Quartierverein, der sich selber seiner eigenen Probleme annimmt, ganzheitlich strukturelle Verbesserung eintreten werden. Unsere Gutmensch Mitte-Links Regierung bestreitet nämlich vorzugsweise mit angenehmeren Themen wie, „wo soll das Kunsthaus gebaut werden,“ den Wahlkampf.
Wann zieht die Politik nach?
Nicht die Politik, sondern die Basis nimmt das Heft in die Hand. Ob dies denjenigen Parteien zum Durchbruch verhilft, die zusammen mit der Polizei schon viele Jahre auf die genannten Misstände hinweisen, wird sich in den diesjährigen Oktoberwahlen zeigen. Der Wähler wird auf jeden Fall durch Projekte wie die Respektpatroullie sensibilisiert. Während also die Regierung sich in Schweigen hüllt, setzt die Patroullie auf Dialog, versucht deeskalierend zu wirken, zieht sich bei Gefahr zurück. Die Teilnehmer wurden geschult und werden symbolisch entlöhnt. Die Respektpatroullie selbst ist aber dennoch nicht mehr als eine flankierende Massnahme, die sich denjenigen Begleitumständen annimmt, welche Gewalttaten begünstigen, wie z.B. Teilnahmslosigkeit, Respression, Vorurteile, Littering, Vandalismus, Ruhestörungen, Alkolkonsum oder Rassismus. Die diesjärige Patroullie sollte als Hilfeschrei gewertet werden. Sie besitzt durchaus eine starke psychologische Wirkung auf alle Beteiligten. Erst im Verbund mit allen anderen Massnahmen des Projektes Zug gegen Gewalt*, entfaltet sie ihre nachhaltig positive Wirkung auf die Zielgruppen. Die Stossrichtung stimmt. Mit der sorgfältigen Auswertung der empirischen Untersuchungsergenisse, sollen von Fachkundigen anschliessend Anpassungen geprüft und in weiteren ähnlichen Projekten umgesetzt werden. Dazu gehört ein klare Bekenntniss von Mitte-Links, dass man gewillt ist, die Ängste von Teilen unsere jungen (!) und zweifelsohne auch älteren Bevölkerung, wie sie der Respekpatroullie in Form von Gesprächsinhalten vorliegen, ernst zunehmen. Ferner ist die Polizeibehörde und ihre Mitarbeiter mit einem grösseren Budget auszustatten, denn diese laufen am absoluten Limit! Für alle und Alles hat die Stadt Zug Geld, nur bei der Sicherheit wird gespaart. Als Support braucht die Stadt Zug neben Videokameras an neuralgischen Orten, einen effizienteren Strafvollzug, ein Ende des Täterschutzes und eben wie erwähnt ungefähr 1000 zusätzliche Polizeistunden, um den neuen Herausforderung unserer schnell wachsenden Gesellschaft Herr zu werden.
Kontakt suchen – Interesse zeigen
Gerade durch die unvoreingenommene und unagressive Art unserer Kontaktaufnahme mit unseren Jugendlichen auf Öffentlichem Grund, patroullieren wir mit vorgelebtem Respekt gegenüber Anderen durch Zugs Strassen. Unsere Einsatzgruppen sind nach einer kurzen Eingewöhnungszeit nämlich gern gesehene, „komische Vögel“, welche aber von 95% aller Jugendlichen respektiert und gutgeheissen werden(!). Wir wirken entspannend auf die Mädchen und Jungen im Ausgang. Man spässelt über uns aber sagt auch, dass man sich ja auch gerne in einem sauberen Umfeld bewegt ohne Angst haben zu müssen, eins Aufs Maul zu kriegen. Man traue sich schon gar nicht zu bestimmten Zeiten in gewisse Gegenden.
Wir erklären Ihnen dann, dass wir die sonst unsichtbare, schweigende Mehrheit der Zuger Bevölkerung vertreten, die eben doch eher zurückgezogen lebt, und dass es auch schon zu unseren Zeiten Clubs gab, wo man sich vor Gewaltdelikten in Acht nehmen musste. Wir scheinen auch dort einzuspringen, wo Eltern ihren Pflichten als Erzieher nicht nachkommen oder wo die Dunkelheit der Nacht Jugendlichen eine falsche Sicherheit eingaukelt. Für manch eine kurze jedoch intensive Gesprächsviertelstunde versuchen wir den Jugendlichen das zugeben, was Sie sonst von Niemandem zu Hause kriegen: Einen Zuhörer. Wir folgen ihren Argumentationsstängen, um zu erfahren, vor was sie in der Zukunft Angst haben oder was sie heutzutage beschäftigt. Oft stellten wir fest, dass viele stark gelangweilt sind und/oder starke Schwierigkeiten haben sich mitzuteilen. Wir aber diskutieren trotzdem mit Ihnen und geben ihnen Antworten ohne belehrenden Unterton, auch da, wo ihnen offensichtlich ihre Naivität, ihr Gruppeneverhalten oder ihr Alkoholkonsum in die Quere kommen. Die meisten Teenager und Jungen Erwachsenen möchten nämlich friedlich in den Ausgang gehen können, um sich mit Gleichaltrigen auszutauschen.
* Zug gegen Gewalt – Das Projekt. Das von vielen gesellschaftlichen Gruppierungen getragene, bis ins Jahr 2011 reichende, ambitiöse Projekt Zug gegen Gewalt hat sich die Bekämpfung von Gewalt aus seine Fahne geschrieben. Thematisiert wird neben der neuen Qualität von Gewalt unter Jugendlichen an Schulen oder im Ausgang auch etwa die zunehmende Häusliche Gewalt oder z.B. der arglose Umgang mit Einrichtungen der Öffentlichen Hand (Vandalismus). „Zug gegen Gewalt“ dient dem friedvollen Miteinander auf privatem und öffentlichem Grund im Kanton Zug. Der Massnahmenkatalog ist lang. Er reicht über Stop-Litteringplakate an noralgischen Problemorten wie der Zugerseepromenade, wo Jugendliche regelmässig ihren Partymüll liegen lassen, über eine intensivierte Präventionsarbeit an Schulen und in Klassenzimmern, um aufzuzeigen, dass die Anwendung von Gewalt Konflikte nicht löst sondern fördert. Nebst weiteren parallel verfolgten Ansätzen in der Gewaltbekämfung, wie z.B. einer schnelleren Aburteilung von Wiederholungstätern bei häuslicher Gewalt, muss jungen Menschen aufgezeigt werden, dass die Gesellschaft Mittel und Wege findet, um Sie von Anfang an vor Gewalt zu schützen, ob zu Hause, in der Schule, am Arbeitsplatz oder eben auch während der Freizeit im Freien. Respektpatroullien braucht es nur, wenn wir als Gesellschaft versagen.