_ nicks zug bashing

100’000 direkt aus dem Zytturm-Tresor
Das zuletzt von unserem lieben unrasierten (Achtung liebe Schwiegerütter!) TV Gesicht Nick Hartmann Gebotene und von unserem Stadtrat mit generösen 100’000 Zuger Franken unterstützte Portraitprojekt Zugs, welches im Rahmen der Sendung SF bi de Lüt zur Ausstrahlung kam, hinterlässt nicht nur bei mir einen zwiespältigen Eindruck. Ich finde Zug hat sich unmöglich gemacht. Sieht so Werbung aus für die Stadt oder den Kanton Zug? Falls das Skript im Leutschenbach zusammengestiefelt wurde, dann soll man solche Subventionsbeiträge nicht mehr sprechen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Plattform, wie vom Stadrat erhofft, ein adequates Bild von Zug ermöglicht hat. Ich bezweifle sogar, dass dieser Anspurch überhaupt bestand.
Denn was in die Stuben über heimische Bildschirme flackerte ist gelinde gesagt eine brotlose Kunst ohne Witz und Struktur. Vielleicht ist der Anspruch der Macher auch nicht der gleiche wie der eines Zugers, der sich wünscht, dass man einen ausgewogen-positiven Beitrag zu sehen bekommt. Vielleicht gehts ja gar nicht um die „Lüt“, sondern vielmehr um den Nick und den gebetsmühlenartig vorgetragenen Sondergeiss- Chääs. Es gibt für die einseitige und tolpatschige Portraitierung nur zwei mögliche Erklärungen: Entweder ist Nick kein echter Zuger, denn es wurde ohnehin mehr um das tolle, notabene von Zug über den NFA quersubventionierte, Luzern geworben, oder dann hat er wirklich keinen Einfluss auf die Redaktion bzw. den produzierten Inhalt der Sendung. Ob der Moderator nun nervös war oder nicht, vielleicht ist ihm die Sendung stellenweise so grotesk vorgekommen, dass es ihm die Schweissperlen auf die Stirn trieb und ihn zurecht nervös wirken liess.
Lieber Nick, das Portrait war unglaublich löchrig, fade und ohne Liebe serviert!

Das also ist Zug
Lassen Sie mich kurz zusammenfassen wie Zug nun ist und was so seine Lüt sagen und meinen: Erstens ist Zug eine alte Katastrophe, welche in belustigenden Unterwasserbildern mit echten Unterwasserschauspielern die Vorstadtsaga blubernd zum Besten gibt; dann ist in der ganzen Sendung das Chriesi drin, selbst die Schilder auf der Autobahn finden Erwähnung und nicht z.B. etwa ein Live-Kreation einer Kirschtorte. Stattdessen werden Crepes gemacht (welch exotisches Dessert!) und die natürlich einwandfrei tolle Idee der 1000 Chriesibäume für Zug propagiert.
Zu diesem einzigen Themenschwerpunkt der Sendung sei noch angefügt, dass das Projekt 1000 Kirschbäume für Zug auch seine Schattenseite hat: Viele Bauern sacken gerne für das Planzen eines kleinen Sprösslings 50 CHF pro Jahr und Baum ein, lassen die Früchte dann aber am Stamm verrotten, weil das Abnehmen der Köstlichkeit viel zu teuer ist. Nicht mal bei konkreten Abnahmezusagen von Chriesiverwertern lassen viele Bauern mit sich reden. Da muss man schon selber ernten, was wohl nicht ins offizielle Konzept unserer IG Chriesi passt. Auch sind Hochstämmer nicht praktisch. Ein Überleben dieser Bäume und dieses Projektes wird sich nicht realisieren lassen. Chriesiplantagen können heute nur auf niedrigen, flachwachsenden Plantagen wirtschaftlich betrieben werden. Alles Andere ist wiedermal soziokultureller Pseudowahnsinn.

Doch weiter zur Sendung: dazu gibts Ländler, ein Häufchen Nidwaldern Jodler, die lieber an ihrer Chilbi geblieben wären, und viele andere ausserkantonale Werbeträger, ach ja und einen der nachts auf Friedhöfen schläft und dies anderen empfiehlt, weil es dort so schön ruhig ist…

Dass bei der Show kein Urzuger zu Wort kommt, ausser ein Ägererholzfäller, überrascht nicht. Man lässt sich durch Zugezogene durch Zug führen. Das einzig originelle an der Show bleiben wohl die Schlabberschuhe von Jabbas Herrchen, denn eine Finalissima sieht anders aus! Das Früchtchen wurde also lang und breitgetreten, neue Bräuche wie das Leiterwettrennen in der Altstadt kurzerhand aus der Senke geholt und fürs TV mit Kindersportlern bestückt.

Höhepunkt des schlechten Geschmacks
Dann das Finale und die wunderbare Tagesaufgabem mit dem tollen Zytturm aus Sagex, bei welchem das Hochbauamt, alle Architekten, Sägereien und Schreiner des Kantons für einen guten Zweck handanlegten. Vortrefflich gelöst wurde auch das Bild, welches wie eine Flagge auf dem Landsgemeineplatz vor dem verdeckten Turm aufgespannt wurde – ein riesengrosser offener Tresor (ein Deut auf den Zuger NFA?) der von Kinderarbeitern mit Goldbaren gefüllt wurde. Die nahezu vulgäre Peinlichkeit dieser Aufführung wird Einem erst nach und nach klar und zeigt den Ruf den Zug in der Schweiz und im Ausland geniesst. Wir sind ein Haufen überreicher Kaffeesspekulanten. Der Tresor auf dem Bild lässt eigentlich keinen anderen Schluss zu, als dass das Symbolbild des Tresors a.) für Zugs Dekadenz steht der Reichen gegenüber den Armen Kantonen und/oder b.) jedem Zuschauer für immer klar gemacht werden soll, dass die Zeit gekommen ist, um den Inhalt des Tresors untereinander grosszügig aufzuteilen. Denn wenn man es selber nicht erwirtschaftet, dann soll es auch niemandem anderen gut gehen – oder liebe SP? Oder soll man sich verwundert wie man ist direkt an den Patron Dolfi Müller richten und fragen was das soll?  Vielleicht möchte er ja die Diskussion über die Beendigung des nationalen Steuerwettbewerbs ankurbeln? Bis dann findet er sicherlich in Luzern ein schönes Penthouse.

Kein Wort oder Bild also zum Zugerberg, kein Wort oder Bild von der Zuger Korporation, kein Wort oder Bild zum Zugerstierenmarkt, kein Wort oder Bild zur architektonischen Reife eine Bahnhofs oder einer brandneuen Bossardarena, keine richtige Einspielung des angesprochenen Zuger Sonnenuntergangs, kein Wort oder Bild von der Zugerberg Schwingete,  kein Wort zur Zugerseeschiffahrt, oder zur Fischzucht, Fasnacht, Casion usw.

Ach naja, vielleicht mach ich mir auch einfach zu viele Gedanken zu einem seichten Fernsehabend des Schweizer Fernwehs.

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